
Entdecke die Geschichte der ältesten Mühle Brüggens
Wann wurde die Brüggener Mühle erstmals erwähnt?
- Im Jahr 1289 übertrug Walram von Kessel dem Herzog von Brabant die Burg Brüggen als Lehen.
- Dabei gehörte zur Übergabe ausdrücklich auch die anliegende Mühle – lateinisch molendinum.
- Damit ist die Mühle seit über 700 Jahren urkundlich nachgewiesen.
- Denn sie war von Anfang an untrennbar mit der Burg verbunden.
Was wurde in der Brüggener Mühle gemahlen?
- Laut Amtsrechnung von 1398/99 waren Brüggener und Dülkener Mühle gemeinsam für 107 Paar Korn verpachtet – halb Roggen, halb Malz.
- Außerdem nennt die burgundische Rechnung von 1473/74 jährlich 13 Malter Weizen, 125 Malter Korn und 125 Malter Malz.
- Ab 1500/01 waren Wasser- und Windmühle schließlich für 113 Malter Roggen und 113 Malter Malz verpachtet.
- Pachttermin war dabei jährlich am 2. Juli – dem Fest Unsser liever vrouwen dach visitationis.
Warum war es eine Bannmühle – und warum mussten alle hierher?
- Die Brüggener Mühle war eine sogenannte Bannmühle.
- Das bedeutete: Alle Einwohner im Einzugsgebiet mussten ihr Korn zwingend hier mahlen lassen.
- Zum Bannbezirk gehörten die Stadt Brüggen sowie das Kirchspiel Born, außerdem Boisheim, Bracht und drei Höfe aus Kaldenkirchen.
- Ausgenommen waren allerdings die Laten (Halbfreien) von St. Pantaleon in Köln.
- Zudem mussten auch Stadt und Kirchspiel Dülken in Brüggen mahlen – nämlich immer dann, wenn ihre Windmühle keinen Wind hatte.
Was war der „Molterwagen“ – und wer musste ihn stellen?
- Arme Leute in Dülken hatten weder Pferd noch Wagen, um ihr Korn nach Brüggen zu fahren.
- Deshalb musste der Herzog von Jülich einen sogenannten Molterwagen bereitstellen.
- Allerdings zahlten die Betroffenen für diesen Fuhrdienst die doppelte Mahlgebühr.
- Den Wagen selbst mussten dabei die Dülkener stellen – nicht der Herzog.
- Die normale Molter betrug von jedem Malter ein Viertel; 1633 war der Mahllohn schließlich auf ein Zwanzigstel festgesetzt.
Wer pachtete die Mühle – und für wie lange?
- Die Mühle wurde in Zeitpacht vergeben, meistens auf 24 Jahre.
- Gelegentlich war die Laufzeit jedoch kürzer – für 1659/60 ist beispielsweise eine Pacht von zwölf Jahren belegt.
- So pachteten 1537 Heinen von Bruggen und seine Ehefrau Marie beide Mühlen auf 24 Jahre.
- Dafür zahlten sie 50 Oberländische Gulden „trockenen Weinkaufs“ als einmaligen Handgeldbetrag.
- Dazu leisteten sie jährlich 130 Paar Korn, halb Roggen, halb Malz.
Wie aufwendig war die Instandhaltung der Mühle?
- Die Kosten für Mühlsteine, Holzschneider, Maurer und Zimmermann kehrten regelmäßig in den Rechnungen wieder.
- Dabei trug der Landesherr die Instandhaltungskosten – zumindest noch bis ins 17. Jahrhundert.
- Besonders schlimm war die Lage im Jahr 1510: Die Mühle war ganz in der Erde versunken und ein Wasserrad zerbrochen.
- Daraufhin kam Meister Daem van Beyck mit zwei Knechten und zwölf Winden (spyllen).
- Er arbeitete elf Tage daran, bis die Mühle schließlich auf einem neuen Fundament stand.
- Vor allem die Mühlsteine verursachten dabei immer wieder erhebliche Kosten – weshalb der Rentmeister sie regelmäßig neu besorgen musste, etwa in Neuss.
Warum wurde die Mühle gleich zweimal zerstört?
- Beim burgundischen Krieg 1472–1477 wurde die Mühle bei der Eroberung Brüggens zerstört.
- Ihr Wert – vier Mühlsteine samt Zubehör – wurde dabei in den Schadenslisten auf 300 Gulden geschätzt.
- Noch 1475 war die Mühle nicht wiederaufgebaut.
- Dann traf sie beim Stadtbrand von 1751 erneut dasselbe Schicksal.
- Damit endete der jahrhundertelange Betrieb als Bannmühle endgültig.
Wem gehörte die Mühle nach der französischen Besatzung?
- 1802 kaufte der letzte Brüggener Amtsverwalter Johann Ludwig Dortans die Mühle von der französischen Regierung.
- Gleichzeitig erwarb er dabei auch die Burg Brüggen.
- 1815 ging der gesamte Komplex schließlich an Johann Heinrich Printzen über.
Was zeigt die Postkarte aus den 1940er Jahren?
- Eine Postkarte aus den 1940er Jahren zeigt die Brüggener Mühle in ihrer damaligen Gestalt.
- Sie ist damit das letzte bildliche Zeugnis des Gebäudes.
- Denn die Mühle war erstmals 1289 erwähnt worden – und hatte auf der Postkarte also schon über 650 Jahre Geschichte hinter sich.
Redaktion Brüggen Erleben | Unabhängig & Lokal | Stand 2026