Die Schwalm, ein kleiner Fluss prägt eine Region

Entdecke die Geschichte und Natur der Schwalm

Länge
rund 45 Kilometer
Einzugsgebiet
268 km² (davon 27 km² in den Niederlanden)
Quellgebiet
Tüschenbroicher Kessel bei Erkelenz-Geneiken (51.115442 , 6.269804)
Mündung
bei Swalmen in die Maas (51.251256, 6.016259)
Historische Mühlen
über 20 Mühlen entlang des Flusses
Größter See
Hariksee (1.250 m lang, 250 m breit, 3 m tief)
Zuständigkeit
Schwalmverband

Logo der Schwalm: grüne Wellenlinie auf weißem Hintergrund

Die Schwalm prägt das Schwalmtal seit Jahrtausenden. Der Fluss verbindet Landschaft, Geschichte und Alltag der Region eng miteinander. Hier erfährst du, wie die Schwalm entstand, welche Mühlen sie antrieb und wie es heute um sie steht.

Welche Orte liegen direkt an der Schwalm?

  • Brüggen, Niederkrüchten, Schwalmtal, Wegberg und Swalmen liegen direkt im Schwalmtal.
  • Diese Orte sind seit jeher eng mit dem Fluss verbunden.
  • Ausgrabungsfunde belegen erste Besiedlungen bereits in der Eisenzeit.

Wie ist die Schwalm entstanden?


Karte: Entstehung und Verlauf der Schwalm von der Quelle bei Erkelenz bis zur Mündung bei Swalmen in die Maas

  • Der Venloer Graben sackte über lange Zeiträume ab und sammelte Wasser.
  • Tonschichten verhinderten das Versickern, dadurch entstanden ausgedehnte Niedermoore.
  • Die Schwalm grub sich schließlich ihr Bett in die Brüggener Scholle.
  • Kleinere Bäche und Rinnsale flossen seitlich hinzu.

Wie lang ist die Schwalm – und wo liegt ihre Quelle?

Welche Mühlen entstanden entlang der Schwalm?

  • Entlang der Schwalm und ihrer Zuflüsse entstanden über 20 historische Mühlen.
  • Sie nutzten die Wasserkraft für Korn- und Ölgewinnung und prägen die Region bis heute.
  • Viele Mühlen bestehen noch: als Restaurant, Wohnhaus oder Baudenkmal.

Hier findest du die Mühlen in ihrer Reihenfolge von der Quelle bis zur Mündung:

  1. Ölmühle Tüschenbroich
  2. Kornmühle Tüschenbroich
  3. Bockenmühle in Watern
  4. Bischofsmühle (Wegberg)
  5. Lohmühle in Bissen (Wegberg)
  6. Wegberger Mühle
  7. Kringsmühle
  8. Molzmühle
  9. Neumühle zwischen Rickelrath und Schwaam
  10. Papelter Mühle bei Lüttelforst
  11. Jennekes Mühle
  12. Lüttelforster Mühle (heute Restaurant)
  13. Pannenmühle bei Niederkrüchten
  14. Radermühle bei Niederkrüchten
  15. Brempter Mühle (heute privat)
  16. Mühlrather Mühle am Hariksee (heute Restaurant)
  17. Frankenmühle
  18. Borner Mühle (heute privat)
  19. Vennmühle am Laarer Bruch (heute Kindergarten)
  20. Brüggener Mühle (heute Restaurant)
  21. Dilborner Mühle bei Overhetfeld (heute privat)
  22. Bockler Mühle bei Venekoten (nicht mehr vorhanden)
  23. Holter Mühle bei Swalmen (NL)
  24. Loymolen
  25. Swalmener Mühle (Molen op de Swalm)

Warum fließt die Schwalm noch, obwohl ihre Quelle versiegte?

  • Der Braunkohletagebau ließ die ursprüngliche Schwalmquelle vollständig versiegen.
  • Seitdem hält man sie künstlich am Leben, ebenso wie die Niers.
  • Der Verursacher Rhein-Braun pumpt dafür regelmäßig Wasser in die Quelle.

Welche Seen liegen entlang der Schwalm?

  • Das geringe Gefälle des Flusses ließ im Lauf der Zeit mehrere Seen entstehen.
  • Hariksee – rund 1.250 Meter lang, 250 Meter breit und 3 Meter tief. Er ist der größte See und ein beliebtes Ausflugsziel.
  • Borner See – gespeist vom Kranenbach, einem Nebenfluss der Schwalm, entstanden durch Torfabbau.
  • Weitere Seen entstanden durch Kiesabbau. Sie gehören teils privaten, teils öffentlichen Eigentümern:

Wofür nutzten die Menschen die Schwalm früher?

  • Der klare Fluss war für die Bevölkerung besonders wertvoll.
  • Der Fischreichtum verbesserte die oft karge häusliche Ernährung deutlich.
  • Gleichzeitig versumpften dadurch viele angrenzende Flächen.
  • Deshalb regulierte man den Fluss umfangreich: Man vertiefte das Flussbett, begradigte den Lauf und band Seitengräben an.

Was steckt hinter der Melioration – und wer führte sie durch?

  • Ende 1920 traf sich eine Genossenschaftsversammlung, die recht stürmisch verlief.
  • Die bereits begonnenen Arbeiten hatten 250.000 DM an Kosten verursacht, die es aufzuteilen galt.
  • Technische Schwierigkeiten ließen die Melioration immer wieder ins Stocken geraten.
  • Ab 1937 führte der Reichsarbeitsdienst die Arbeiten schließlich zu Ende.
  • Ein Nebeneffekt: Die Trockenlegung machte am Unterlauf weitere Ackerflächen nutzbar.
  • In den 1930er Jahren siedelten sich im „Bruch“ mehrere Familien an, die durch Gemüseanbau ihre Existenz sicherten.
  • Wegen der hohen Arbeitslosigkeit der 1920er Jahre galt die Melioration zugleich als Beschäftigungsmaßnahme.
  • Rund 250 Arbeiter aus der Umgebung fanden Anstellung – viele kamen zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
  • Das tägliche Arbeitspensum betrug 10 Stunden, unterbrochen von nur einer 15-minütigen Pause.
  • Der Stundenlohn lag bei 60 Pfennigen. Dennoch sicherte er vielen Familien den Broterwerb.

Wie steht es heute um die Wasserqualität der Schwalm?

  • Heute sorgt der Schwalmverband für geordnete Verhältnisse im gesamten Flussgebiet.
  • Die früheren „paradiesischen Zustände“ sind noch nicht wieder erreicht, doch die Wasserqualität hat sich deutlich verbessert.
  • Höhere Anforderungen an die Kläranlagen trugen wesentlich dazu bei.
  • In der Schwalm leben inzwischen wieder Fische, und einst verschwundene Arten sind zurückgekehrt.

Was hat die Renaturierung der Schwalm bewirkt?

  • Nicht nur die bessere Wasserqualität half der Natur bei ihrer Erholung.
  • Die großflächige Renaturierung gab der Schwalm Teile ihres alten Flussbettes zurück.
  • Zusätzlich entstanden viele kleine Tümpel und Rückzugsgebiete für Tiere.
  • Das Ergebnis lässt sich heute eindrucksvoll in den Brüggener Schwalmauen erleben.

Gibt es Filmmaterial zur Schwalm?

Ja. Ein Team um Marco Smets hat einen anschaulichen und informativen Film zusammengestellt und in den Schwalmgemeinden vorgeführt. Er behandelt schwerpunktmäßig die Geschichten, die an der Schwalm entstanden. Weitere Infos dazu findest du auf Schwalmgeschichte(n).

Quellen:

Redaktion Brüggen Erleben | Unabhängig & Lokal | Stand 2026 (teilen gern gesehen)