Haus Stroetges Born – 800 Jahre Geschichte am Niederrhein

Großer Herrenhof zu Born: Gastfreundschaft direkt am Borner See

Wer heute das Anwesen Haus Stroetges betrachtet, sieht einen idyllischen Landsitz.
Doch dieser Ort hat eine fast 800-jährige Tradition.
Er war einst als „Großer Herrenhof“ das wirtschaftliche Herz von Born.
Von hier aus wurde das Land regiert und verwaltet.

Die Historische Verankerung: Einblick in die Vergangenheit

Born 1828

Ein Sitz voller Privilegien

Ab dem Jahr 1334 prägten die Herren von Wevelinghoven diesen Hof.
Er war weit mehr als nur ein Bauernhaus.
Zum Hof gehörte das wertvolle Recht, den Pfarrer zu wählen.
Auch die berühmte Borner Mühle war fest an diesen Besitz gebunden.
Sogar Zehnte und Steuern wurden hier für die Herren eingetrieben.

Der Wandel zum Woltershof

Ein dramatischer Wendepunkt war das Jahr 1462.
Graf Vinzenz von Moers vergab den Hof damals in Erbpacht.
Der Pächter war Wilhelm, ein Schwiegersohn des Küsters Jöris Offermans.
Damit begann die lange Ära der Familie Wolters.
Über Generationen hinweg blieb der Hof in ihrem festen Besitz.
Er wurde deshalb lange Zeit einfach nur „Woltershof“ genannt.

Kampf um das Recht am Hof

Allerdings war die Geschichte des Herrenhauses nicht immer friedlich.
Die Abtei St. Pantaleon forderte den Hof über Jahrzehnte zurück.
Es kam zu einem gewaltigen Rechtsstreit vor dem Reichskammergericht.
Doch die Familie Wolters war hartnäckig und behielt ihr Zuhause.

  • 1. Instanz (1574–1576): Das Hauptgericht Jülich entschied zunächst für die Abtei.
  • 2. Instanz (1576–1584): Das Hofgericht Düsseldorf kippte das Urteil zugunsten der Familie Wolters.
  • 3. Instanz: Der Fall landete vor dem Reichskammergericht, dem höchsten Gericht.

Dieser Mut sicherte den Fortbestand des Hofes bis in die Neuzeit.

Das Fundament im Sumpf

Das Gelände rund um den Herrenhof war früher sehr feucht.
Um stabil zu bauen, nutzten die Vorfahren schwere Eichenbalken.
Archäologen fanden diese Pfahlroste erst vor wenigen Jahrzehnten im Boden.
Ein Balken stammt sogar aus der Zeit um 1650.
Er stützte damals die Gebäude, die wir heute noch bewundern.
Vom Haus Stroetges führte ein direkt zur damals am heutigen Borner See liegenden Burg Born, an die nur noch ein Schild erinnert.

Die Technik des Pfahlrosts: Ein Fundament für die Ewigkeit

Um das Herrenhaus stabil auf dem weichen Untergrund zu errichten, nutzte man im 17. Jahrhundert die sogenannte Pfahlrost-Bauweise.
Diese Technik sicherte das Gebäude über Jahrhunderte.

  • Die Vorbereitung: Zuerst rammten die Bauleute lange, angespitzte Eichenpfähle tief in den feuchten Boden.
    Sie suchten damit eine tragfähige Schicht unter dem Schlamm.
  • Der Rost: Auf diese Pfähle legten sie waagerechte, massive Eichenbalken.
    Diese bildeten ein hölzernes Gitter – den sogenannten Rost.
  • Die Lastverteilung: Dieses Gitter verteilte das enorme Gewicht der Steinmauern gleichmäßig auf alle Pfähle.
  • Die Konservierung: Das Besondere daran ist, dass das Holz unter Wasser nicht verrottet.
    Da der Boden in Born dauerhaft feucht war, blieb die Eiche steinhart.

Der wissenschaftliche Beweis

Bei den Ausgrabungen am Haus Born im Jahr 1998 kam genau so ein Balken ans Tageslicht.
Es handelte sich um einen erneuerten Pfahlrostbalken.
Die Forscher untersuchten die Jahresringe des Holzes (Dendrochronologisches Gutachten: 30.09.1998).
Das Ergebnis war faszinierend: Der Baum wurde etwa zwischen 1650 und 1675 gefällt.

Dies beweist, dass die Familie Wolters in dieser Zeit massiv in die Standfestigkeit ihres Hofes investierte.
Es war eine teure und aufwendige Sanierung, die den Hof bis heute bewahrt hat.

Das Herrschaftsgebiet des Herrenhofs Born und seiner dazugehörigen Burg

Zum Kernbesitz und den damit verbundenen Rechten zählten:

  • Der Große Herrenhof selbst: Er bildete das wirtschaftliche Zentrum mit all seinen Gebäuden und dem Hofplatz.
  • Das Patronatsrecht: Die Besitzer durften den Pfarrer für die Borner Kirche vorschlagen.
  • Die Borner Mühle: Die lebenswichtige Wassermühle war direkt an den Hof gebunden.
  • Der Hof „Myllemer Dyck“: Dieses Gut lag bei Kaldenkirchen und gehörte zum Verwaltungsbereich.
  • Der Vennhof in Lüttelbracht: Dazu zählten auch die abhängigen Güter Kauwerschyns und Graewers.
  • Die Alster Zehnte: Eine wichtige Abgabe aus dem Gebiet bei Bracht.
  • Der Buskens-Hof: Dieser Hof lag in Haverslohe und war für die Reparatur des Mühlendeichs zuständig.
  • Zahlreiche Kurmutgüter: Insgesamt gehörten etwa 30 einzelne Güter in Born, Lüttelbracht und Genrohe dazu.
  • Abhängige Leute (Laten): Viele Bauern der Umgebung waren dem Hof zu Diensten und Abgaben verpflichtet.

Besondere Pflichten und Einnahmen

  • Heerpferde: Zwei Güter in Lüttelbracht mussten im Ernstfall Pferde für den Landesherrn stellen.
  • Naturallieferungen: Die Pächter zahlten oft mit Korn, Roggen, Hafer sowie Hühnern und Kapaunen.
  • Pfahlrost-Sicherung: Da das Gelände sumpfig war, mussten die Gebäude auf massiven Eichenbalken instand gehalten werden.

Weiterführende Links und Quellen

  • Homepage des Hauses Stroetges:
    Hier findest Du aktuelle Informationen zum Betrieb und oft auch einen kleinen Einblick in die eigene Darstellung der Geschichte.
    Link: www.haus-stroetges.de
  • Gemeinde Brüggen:
    Auf der offiziellen Website der Gemeinde findest Du häufig Dorfentwicklungspläne, historische Abrisse oder Informationen zu Born.
    Suche dort nach Dokumenten zu „Dorfentwicklungsplan Born“ oder „Geschichte Brüggen“.
    Link: www.brueggen.de
  • Heimatfreunde Born:
    Lokale Geschichtsvereine wie die „Heimatfreunde Born“ sind unschätzbare Quellen für spezifische Details zur Ortsgeschichte, Höfen und alten Gewerbebetrieben.

Fazit: Das Haus Stroetges in Born ist weit mehr als nur ein Geschäft; es ist ein historisches Zeugnis der dörflichen Kultur und des Wandels am Niederrhein.
Seine Geschichte als zentrale Schank- und Speisewirtschaft spiegelt die soziale und wirtschaftliche Entwicklung von Born wider und macht es zu einem spannenden Objekt für Deine wissenschaftliche Betrachtung.

Historische Quellen zum Herrenhof Born

Die folgenden Belege stützen die chronologische Entwicklung des Hofes:

  • RKG (Reichskammergericht), fol. 152: Aktenvermerk zur Befreiung von Steuern durch Graf Gerhard von Jülich (1321).
  • Urkunde vom 27. Mai 1393 (HSTAD, Jülich, Urk. 460): Belegt die Übertragung von Lehnsleuten in Born durch das Ehepaar von Vriese an das Herzogspaar von Jülich-Geldern.
  • Lehenregister der Abtei St. Pantaleon (1426): Dokumentiert die Belehnung von Wilhelm von Wevelinghoven mit dem „Haus und Hof“ sowie dem Kirchenpatronat.
  • Einkünfteregister von Born (17.09.1426): Erste Erwähnung der Erbpacht für den Hofplatz durch Joeris Wragen (Vorfahre der späteren Pächter).
  • Amtsrechnung Brüggen (1467/68): Nachweis über die Verpachtung des Hofplatzes unter Graf Vinzenz von Moers (HSTAD, Oranien-Moers, Akt. 141c).
  • Vergleichsurkunde vom 02.08.1555: Beilegung des langen Streits zwischen Abt Benedikt Kessel und Graf Hermann von Neuenahr über das Eigentumsrecht am Herrenhof.
  • Dendrochronologisches Gutachten (1998): Untersuchung des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln zur Datierung der Pfahlroste (Balken von ca. 1650).

Quellenverzeichnis aus dem Heimatbuch:

  1. MACKES, K. L.: Haus Born bei Brüggen und seine Besitzer, in: Heimatbuch des Kreises Viersen 2002.
  2. HILLIGER: Urbare, S. 334–344 (Positionen zum Güterverzeichnis).
  3. LACOMBLET, Th. J.: Archiv für die Geschichte des Niederrheins, Bd. VIII (Latenrechte des Hofes Born).
  4. STAK, St. Pantaleon, Rep. + Hs. Nr. 3: Aufzeichnungen über die Belehnungen durch die Kölner Abtei.

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