Kreuzherrenkloster Brüggen – Wer stiftete es – und warum hier?

Entdecke die Geschichte des Klosters „Himmelsbrücke“ in Brüggen

Kreuzherrenkloster 2002
Kreuzherrenkloster 2002 (Foto: Elmar Storch)

Mehr als 300 Jahre lang prägten die Kreuzherren das religiöse, schulische und wirtschaftliche Leben in Brüggen.
Doch wie entstand das Kloster überhaupt?
Und warum wählte Graf Vinzenz gerade diesen Orden?

Wer stiftete das Kreuzherrenkloster in Brüggen?

  • Graf Vinzenz von Moers gründete das Kloster als Pfandherr des Amtes Brüggen.
  • Am 3. Oktober 1479 stiftete er es zu Ehren Gottes, Marias und des hl. Nikolaus.
  • Er gedachte dabei seiner Vorfahren und seiner verstorbenen Gattin Anna von Bayern.
  • Aber auch „onse lande ind luyde gemeinlich“ – also Land und Leute – standen im Mittelpunkt.
  • Schon sein Vater Friedrich III. hatte 1441 das Hauskloster in Moers den Karmelitern übertragen.
  • Vinzenz wählte für Brüggen und Dülken jedoch einen anderen Orden: die Kreuzherren.

Was waren die Kreuzherren – und warum wählte Vinzenz sie?

  • Die Kreuzherren (Ordo sanctae Crucis) wurden 1211 gegründet.
  • Sie lebten nach der Regel des hl. Augustinus als sogenannte Regularkanoniker.
  • Im 15. Jahrhundert erlebte der Orden einen starken Aufschwung durch die „Devotio moderna“.
  • Diese Reformbewegung betonte das gemeinsame Leben, Demut und persönliche Nachfolge Christi.
  • Von den Niederlanden ausgehend, breitete sie sich bis nach Deutschland aus.
  • Vinzenz folgte also dem Frömmigkeitsideal seiner Zeit – eine bewusste, zeitgemäße Entscheidung.

„Ausdruck des Aufschwungs des Kreuzherrenordens im 15. Jh. unter dem Eindruck der Devotio moderna.“ – Gerhard Rehm über die Klostergründungen im Amt Brüggen

Wie reich stattete der Graf das neue Kloster aus?

  • Trotz schwieriger Finanzlage war die Erstausstattung des Klosters erstaunlich großzügig.
  • 100 Malter Roggen Erbpacht erhielten die Brüder – davon 50 Malter aus dem Hof in Brempt.
  • 33 Malter Roggen aus der Brüggener Mühle kamen jährlich am Martinstag hinzu.
  • Die Kreuzbrüder wurden dauerhaft frei von Dienst-, Schatz-, Bede- und Wachpflichten gestellt.
  • Auch Akzise auf Wein, Bier, Brot, Fleisch und Fisch fiel für sie weg.
  • Dazu durften sie Gemeindegründe nutzen: Heide, Weiden, Büsche und Brüche.
  • Mahlen, Backen und Brauen für den Eigenbedarf war dem Konvent ausdrücklich gestattet.
  • Der Graf versprach außerdem, auf eigene Kosten Kirche und Speisesaal zu errichten.

Wie lautete der vollständige Name des Klosters?

  • 1490 erschien erstmals der offizielle lateinische Name in einer bischöflichen Urkunde.
  • Monasterium Sancti Nicolai ordinis Cruciferorum Regulae S. Augustini – Kloster des hl. Nikolaus.
  • Volkstümlich wurde es aber schlicht „Himmelsbrücke“ (pons coeli) genannt.
  • Die Pfarrkirche Born wurde 1484 dem Kloster auf Bitten des Grafen inkorporiert.
  • Papst Innozenz VIII. bestätigte diese Inkorporation am 11. März 1487 persönlich.

Wann und wie wurde das Kloster tatsächlich gebaut?

  • Der Bau begann 1480 unter dem Borner Pfarrer Konrad Haeck.
  • Die Gründung erfolgte wohl vom Kreuzherrenkloster in Venlo aus – einem bewährten Reformkonvent.
  • Den ersten oder zweiten Prior entsandte das Generalkapitel 1485 aus dem Kloster Marienfrede.
  • Seit dem Generalkapitel 1484 war die Brüggener Niederlassung offiziell dem Orden inkorporiert.
  • Sie gehörte der deutschen Ordensprovinz an – nach 1631 der neu gebildeten Maasprovinz.
  • Über Weihe und genaue Baudetails ist leider kaum etwas überliefert worden.

War das Kloster wirtschaftlich erfolgreich?

  • Ja – trotz Kriegslasten und einem verheerenden Brand 1751 blieb die Vermögenslage günstig.
  • Zahlreiche fromme Stiftungen und Rentenkäufe belegen die gute wirtschaftliche Stellung.
  • 1528 liehen die Kreuzbrüder dem Landesherrn sogar 300 Gulden für Festungsbaumaßnahmen.
  • Schuldverschreibungen erwarb das Kloster von Beeck (1713), Heinsberg (1720) und Erkelenz (1732).
  • 1646 kaufte der Konvent die Rechte in Dilkrath samt Patronatsrecht an der dortigen Kirche.

Was passierte beim großen Stadtbrand von 1751?

  • Am 26. April 1751 wurden Kloster und Kirche fast vollständig zerstört.
  • Da die eigenen Mittel nicht reichten, wurde in umliegenden Territorien gesammelt.
  • Köln, Trier, Jülich, Berg und Preußen beteiligten sich an der Kollekte für den Wiederaufbau.
  • Als Übergangsdomizil diente den Brüdern die nahe gelegene Burg Brüggen.
  • Am 17. Oktober 1756 wurde die neu erbaute Kirche feierlich wieder bezogen.
  • Der Neubau kostete laut späteren Berichten rund 72.000 Taler – eine gewaltige Summe.

Wie lebten die Mönche kurz vor der Auflösung – im Luxus?

  • Eine Bestandsaufnahme vom April 1795 gibt einen seltenen Einblick ins Klosterleben.
  • Im Priorat fanden sich Silberbestecke, Porzellan und eine Bibliothek mit rund 1.400 Büchern.
  • Sogar ein Barometer und Kaffeemühlen gehörten zur Ausstattung – man lebte durchaus komfortabel.
  • Zum Wirtschaftsbetrieb zählten ein Brau- und Backhaus sowie Vorräte an Stockfisch und Wein.
  • Viehhaltung war ebenfalls vorhanden: eine Kuh und vier Mastschweine gehörten zum Konvent.

Gab es im Kloster auch Bildung und Wissenschaft?

  • Im 17. und 18. Jahrhundert war in Brüggen zeitweise ein Ordensstudium eingerichtet.
  • Ab 1630 wurde Philosophie gelehrt, ab 1655 auch Moraltheologie.
  • Bekannte Prioren wie Clamor Averkamp und Adolf Offerhausen bekleideten hohe Ordensstellen.
  • Wilhelm von Beeck stieg sogar zum Provinzialleiter der Maasprovinz auf.
  • Damit war Brüggen zeitweise ein intellektuelles Zentrum weit über die Region hinaus.

Wie endete das Klosterleben in Brüggen?

  • 1797 wurde Johann Boetzkes zum letzten Prior des Klosters gewählt.
  • Infolge des Konkordats und des Dekrets vom 9. Juni 1802 wurde das Kloster aufgehoben.
  • Am 15. August 1802 verließen die Kreuzherren den Konvent für immer.
  • Viele blieben jedoch als Weltpriester weiterhin in der Region tätig.
  • Die Kirche wurde 1804 der neuen Pfarrgemeinde Brüggen zugeteilt.
  • Die Klosteranlage gelangte 1811 an den Naturforscher Johann Friedrich Benzenberg.
  • Dieser richtete dort gemeinsam mit seinem Onkel eine Zuckerrübenfabrik ein.

Warum sind die Kreuzherren bis heute bedeutsam für Brüggen?

Kreuzherrenkloster 2020
Kreuzherrenkloster 2020: Foto: Elmar Storch

Über 300 Jahre lang prägten sie das religiöse Leben in Brüggen und Born tief.
Dass reformatorische Strömungen hier lange kaum Anhänger fanden, wird ihrem Einfluss zugeschrieben.
Bis Mitte des 18. Jahrhunderts bestimmten sie das Schulleben in Brüggen und Born maßgeblich mit.
Die Klosterkirche diente zudem als Begräbnisstätte der lokalen Honoratiorenschicht.
Seit 1731 durften dort Reliquien – darunter Kreuzpartikel und Knochen der Apostel Andreas und Matthäus – öffentlich ausgestellt werden.

 

Quellen

  • Gerhard Rehm: Das Kreuzherrenkloster Brüggen