Borner Mühle – Was verbirgt sich hinter dem alten Backsteinbau an der Schwalm?

Entdecke die Geschichte der Borner Mühle in Born bei Brüggen

Wer durch Born spaziert, stößt auf einen zweigeschossigen Backsteinbau.
Er wirkt unscheinbar – doch seine Geschichte reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück.
Kirche, Wirtschaft und Alltag waren hier eng miteinander verflochten.


Wo genau liegt die Borner Mühle?

Die Borner Mühle liegt im Ortsteil Born der Gemeinde Brüggen im Kreis Viersen.
Sie steht direkt an der Schwalm, auf der rechten Flussseite.
Die Lage war kein Zufall: Fließendes Wasser trieb die Mühlenräder an.
Zeitweise liefen sogar drei unterschlächtige Wasserräder gleichzeitig.
Eines davon wurde 1912 eigens für den Winterbetrieb überbaut.

Wer war der ursprüngliche Eigentümer der Borner Mühle?

Bereits im 12. Jahrhundert gehörte die Mühle der Kölner Abtei St. Pantaleon.
Das Kloster betrieb dort weit mehr als nur eine Getreidemühle.
Die Anlage diente zugleich als Öl-, Walk- und Lohmühle.
Damit war sie für die umliegenden Höfe unverzichtbar.

Was ist ein Weistum – und was sagt das Borner Weistum von 1412 aus?

Ein Weistum war im Mittelalter eine Art öffentliche Rechtsbelehrung.
Bewohner erklärten dabei, welche Rechte und Pflichten galten.
Das Borner Weistum vom 17. September 1412 ist eine der wichtigsten Quellen.
Demnach mussten alle Lehnträger der Abtei ihr Getreide ausschließlich hier mahlen lassen.
Dieser sogenannte Mahlzwang wurde streng durchgesetzt.
So sicherte das Kloster sich regelmäßige Einnahmen.

Außerdem geht aus dem Weistum hervor: Die Mühle („des heren molen to Borre“) war eine Bannmühle.
Sie war Pflichtmühle für die Pachthöfe des Hofes Born.
Der Lehnbesitz lag bei den Edelherren von Wevelinghoven.

Wann wurde die Borner Mühle erstmals in einem Erbpachtvertrag erwähnt?

Am 11. Juni 1552 vergab die Abtei St. Pantaleon die Mühle in Erbpacht.
Pächter wurden Dietrich von Kessenich und Adelheid von Dilkrath.
Der Vertrag war bemerkenswert detailliert.
Die Jahrespacht umfasste 20 Malter Roggen, 13 Mark sowie 900 Ölkuchen aus Rübsamen.
Dazu kamen 5 Quart Rüböl und weitere Abgaben.
Zahltermin war stets der Andreastag am 30. November.

Die Pflichten der Pächter waren streng geregelt.
Die Mühle musste auf eigene Kosten instand gehalten werden.
Brannte sie ab, musste sie wiederaufgebaut werden – ohne Kürzung der Klosterabgaben.
Zudem durfte die Mühle nur ungeteilt vererbt werden.

Was geschah mit der Borner Mühle während der Säkularisierung?

Im Zuge der Säkularisierung 1802 beschlagnahmten die Franzosen das Klostervermögen.
Auch die Borner Mühle war davon betroffen.
Belege finden sich in Katasterunterlagen und Verkaufslisten der Besatzungszeit.
Auf der Tranchot-Karte von 1806 ist die Mühle noch eingezeichnet.
Sie war also weiterhin in Betrieb.
Danach kaufte der Pächter Johann Dahmen die Mühle – und überführte sie in Privatbesitz.

Wann endete der Mühlenbetrieb in Born?

Der eigentliche Mühlenbetrieb endete im Jahr 1960.
Damit schloss sich ein jahrhundertealtes Kapitel.
Die Mühle hatte die Landwirtschaft der Region über Generationen versorgt – von der mittelalterlichen Bannmühle bis zum modernen Betrieb.

Was ereignete sich am 23. Dezember 1976?

Kurz vor Weihnachten traf die Borner Mühle ein schwerer Schicksalsschlag.
Ein Großbrand zerstörte das Dach und große Teile der Einrichtung.
Zeitungsberichte sowie Feuerwehrunterlagen dokumentieren das Ausmaß des Feuers.
Das Gebäude selbst blieb jedoch erhalten.

Wie wurde die Borner Mühle nach dem Brand weitergenutzt?

Nach dem Wiederaufbau eröffnete die Mühle im Jahr 1980 als Hotel und Gaststätte.
Der historische Bau erlebte damit eine neue Blütezeit.
Über drei Jahrzehnte war sie ein bekanntes Ausflugsziel der Region.
Im Februar 2014 wurde der Betrieb endgültig eingestellt.

Steht die Borner Mühle unter Denkmalschutz?

Ja. Seit dem 11. März 1985 ist die Borner Mühle als Baudenkmal geschützt.
In der Denkmalliste der Gemeinde Brüggen wird sie unter der Nummer 19 geführt.
Die amtliche Beschreibung nennt einen zweigeschossigen Backsteinbau aus der Zeit um 1800 mit späteren Ergänzungen.
Der Schutzstatus sichert ihren Erhalt – auch ohne aktive Nutzung.

Welche Rolle spielt die Schwalm für die Borner Mühle?

Die Schwalm war jahrhundertelang die Grundlage des Mühlenbetriebs.
Wasser trieb die Räder an.
Wasser bestimmte die Leistung.
Heute besteht ein anderer Bezug: Im Rahmen der Renaturierung plant der Schwalmverband einen Fischaufstieg an der Borner Mühle.
Damit bekommt die alte Anlage erneut eine ökologische Bedeutung.

Was steht heute an der Stelle der Borner Mühle?

Das Gebäude steht noch.
Es ist ein denkmalgeschützter Backsteinbau am Schwalmfer in Born.
Eine aktive Nutzung gibt es nicht mehr.
Dennoch ist er ein faszinierendes Zeugnis der Ortsgeschichte.
Er erinnert an die klösterliche Bannmühle des Mittelalters.
Er erinnert an den Erbpachtvertrag von 1552.
Und er erinnert an das Hotel, das hier bis 2014 in Betrieb war.


Quellen: Borner Weistum (1412) · Erbpachtvertrag St. Pantaleon (1552) · Tranchot-Karte (1806) · Denkmalliste Gemeinde Brüggen (Lfd.-Nr. 19) · Zeitungsberichte zum Brand 23. Dezember 1976 · Schwalmverband