Brüggener Mühle – Was trieb ihre Räder über Jahrhunderte an?

Brüggener Mühle 03-2026
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Entdecke die Geschichte der ältesten Mühle Brüggens

Wann wurde die Brüggener Mühle erstmals erwähnt?

  • Im Jahr 1289 übertrug Walram von Kessel dem Herzog von Brabant die Burg Brüggen als Lehen.
  • Dabei gehörte zur Übergabe ausdrücklich auch die anliegende Mühle – lateinisch molendinum.
  • Damit ist die Mühle seit über 700 Jahren urkundlich nachgewiesen.
  • Denn sie war von Anfang an untrennbar mit der Burg verbunden.

Was wurde in der Brüggener Mühle gemahlen?

  • Laut Amtsrechnung von 1398/99 waren Brüggener und Dülkener Mühle gemeinsam für 107 Paar Korn verpachtet – halb Roggen, halb Malz.
  • Außerdem nennt die burgundische Rechnung von 1473/74 jährlich 13 Malter Weizen, 125 Malter Korn und 125 Malter Malz.
  • Ab 1500/01 waren Wasser- und Windmühle schließlich für 113 Malter Roggen und 113 Malter Malz verpachtet.
  • Pachttermin war dabei jährlich am 2. Juli – dem Fest Unsser liever vrouwen dach visitationis.

Warum war es eine Bannmühle – und warum mussten alle hierher?

  • Die Brüggener Mühle war eine sogenannte Bannmühle.
  • Das bedeutete: Alle Einwohner im Einzugsgebiet mussten ihr Korn zwingend hier mahlen lassen.
  • Zum Bannbezirk gehörten die Stadt Brüggen sowie das Kirchspiel Born, außerdem Boisheim, Bracht und drei Höfe aus Kaldenkirchen.
  • Ausgenommen waren allerdings die Laten (Halbfreien) von St. Pantaleon in Köln.
  • Zudem mussten auch Stadt und Kirchspiel Dülken in Brüggen mahlen – nämlich immer dann, wenn ihre Windmühle keinen Wind hatte.

Was war der „Molterwagen“ – und wer musste ihn stellen?

  • Arme Leute in Dülken hatten weder Pferd noch Wagen, um ihr Korn nach Brüggen zu fahren.
  • Deshalb musste der Herzog von Jülich einen sogenannten Molterwagen bereitstellen.
  • Allerdings zahlten die Betroffenen für diesen Fuhrdienst die doppelte Mahlgebühr.
  • Den Wagen selbst mussten dabei die Dülkener stellen – nicht der Herzog.
  • Die normale Molter betrug von jedem Malter ein Viertel; 1633 war der Mahllohn schließlich auf ein Zwanzigstel festgesetzt.

Wer pachtete die Mühle – und für wie lange?

  • Die Mühle wurde in Zeitpacht vergeben, meistens auf 24 Jahre.
  • Gelegentlich war die Laufzeit jedoch kürzer – für 1659/60 ist beispielsweise eine Pacht von zwölf Jahren belegt.
  • So pachteten 1537 Heinen von Bruggen und seine Ehefrau Marie beide Mühlen auf 24 Jahre.
  • Dafür zahlten sie 50 Oberländische Gulden „trockenen Weinkaufs“ als einmaligen Handgeldbetrag.
  • Dazu leisteten sie jährlich 130 Paar Korn, halb Roggen, halb Malz.

Wie aufwendig war die Instandhaltung der Mühle?

  • Die Kosten für Mühlsteine, Holzschneider, Maurer und Zimmermann kehrten regelmäßig in den Rechnungen wieder.
  • Dabei trug der Landesherr die Instandhaltungskosten – zumindest noch bis ins 17. Jahrhundert.
  • Besonders schlimm war die Lage im Jahr 1510: Die Mühle war ganz in der Erde versunken und ein Wasserrad zerbrochen.
  • Daraufhin kam Meister Daem van Beyck mit zwei Knechten und zwölf Winden (spyllen).
  • Er arbeitete elf Tage daran, bis die Mühle schließlich auf einem neuen Fundament stand.
  • Vor allem die Mühlsteine verursachten dabei immer wieder erhebliche Kosten – weshalb der Rentmeister sie regelmäßig neu besorgen musste, etwa in Neuss.

Warum wurde die Mühle gleich zweimal zerstört?

  • Beim burgundischen Krieg 1472–1477 wurde die Mühle bei der Eroberung Brüggens zerstört.
  • Ihr Wert – vier Mühlsteine samt Zubehör – wurde dabei in den Schadenslisten auf 300 Gulden geschätzt.
  • Noch 1475 war die Mühle nicht wiederaufgebaut.
  • Dann traf sie beim Stadtbrand von 1751 erneut dasselbe Schicksal.
  • Damit endete der jahrhundertelange Betrieb als Bannmühle endgültig.

Wem gehörte die Mühle nach der französischen Besatzung?

  • 1802 kaufte der letzte Brüggener Amtsverwalter Johann Ludwig Dortans die Mühle von der französischen Regierung.
  • Gleichzeitig erwarb er dabei auch die Burg Brüggen.
  • 1815 ging der gesamte Komplex schließlich an Johann Heinrich Printzen über.

Was zeigt die Postkarte aus den 1940er Jahren?Brüggener Mühle 1940er

  • Eine Postkarte aus den 1940er Jahren zeigt die Brüggener Mühle in ihrer damaligen Gestalt.
  • Sie ist damit das letzte bildliche Zeugnis des Gebäudes.
  • Denn die Mühle war erstmals 1289 erwähnt worden – und hatte auf der Postkarte also schon über 650 Jahre Geschichte hinter sich.